Klassifikation

Die Ehlers-Danlos Syndrome sind derzeit in einem System aus 13 Subtypen klassifiziert, basierend auf Phänotyp, Vererbung und molekularer und biochemischer Defekte. Die folgende Zusammenfassung soll lediglich als erster Überblick dienen. Die tatsächliche Diagnose gestalltet sich wesentlich komplizierter und die Diagnosekriterien sind, besonders beim hypermobility EDS, sehr komplex. Den gesamten Artikel der "2017 Internationalen Klassifikation der Ehlers-Danlos Syndrome" finden sie hier.

 

EDS Typen

 

Classical EDS (cEDS) - Frühere Bezeichnung Typ I, Typ II, Klassischer Typ

Die Hauptkriterien des cEDS sind:

  1. Hyperelastizität der Haut mit atrophischen Narben und
  2. Generalisierte Hypermobilität der Gelenke.

Zusätzlich gibt es 9 Nebenkriterien. Für eine klinische Diagnose des cEDS sollen die ersten beiden Hauptkriterien und entweder das zweite Hauptkriterium, oder zumindest drei Nebenkriterien bestehen.

Der klassische Typ wird autosomal dominant vererbt. In 90% der Fälle betrifft die Mutation das Gen welches für Kollagen V kodiert, selten aber auch das für Kollagen I kodierende Gen.

 

Classical-like EDS (clEDS)

Die Hauptkriterien des clEDS sind:

  1. Hyperelastizität der Haut, samtige Haut, ohne atrophische Narben
  2. Generalisierte Hypermobilität der Gelenke mit oder ohne wiederkehrenden Dislokationen (meistens Schulter und Knöchel)
  3. Vermehrte Hämatomneigung

Zusätzlich gibt es 7 Nebenkriterien. Für eine klinische Diagnose müssen alle drei Hauptkriterien erfüllt sein und eine positive familiäre Vorgeschichte bestehen.

Classical-like EDS wird autosomal rezessiv vererbt. Das betroffene Gen ist TNXB.

 

Cardiac-valvular EDS (cvEDS)

Die Hauptkriterien des cvEDS sind:

  1. Hochgradige progressive Herzklappenfehler (Aortenklappe, Mitralklappe)
  2. Hautbeteiligung: Hyperelastizität Haut, atrophische Narben, dünne Haut, Hämatomneigung
  3. Hypermobilität der Gelenke (generalisiert oder auf kleine Gelenke beschränkt)

Zusätzlich gibt es 4 Nebenkriterien. Für die klinische Diagnose muss das erste Hauptkriterium erfüllt sein, eine positive familiäre Vorgeschichte bestehen und entweder ein anderes Hauptkriterium oder zumindest zwei Nebenkriterien erfüllt sein.

Cardiac-valvular EDS wird autosomal rezessiv vererbt. Das betroffene Gen ist COL1A2.

 

Vascular EDS (vEDS) - frühere Bezeichnung Typ IV, vaskulärer Typ

Die Hauptkriterien des vEDS sind:

  1. Positive familiäre Vorgeschichte des vEDS mit dokumentierten verursachenden Varianten des COL3A1 Gens
  2. Arterielle Ruptur in jungen Jahren
  3. Spontane Perforation des Colon sigmoideum ohne bekannte Diverticulose oder sonstige Darmerkrankungen
  4. Uterine Ruptur während des dritten Trimesters ohne vorangegangenem Kaiserschnitt und/oder hochgradigem Dammriss
  5. Carotis-Sinus-cavernosus Fistel ohne vorangegangenem Trauma

Zusätzlich gibt es 12 Nebenkriterien. Für eine klinische Diagnose sollten die ersten vier Hauptkriterien erfüllt sein und weiters auch eine Kombination verschiedener Nebenkriterien bestehen.

Vascualar EDS wird autosomal dominant vererbt. Das betroffene Gen ist meistens COL3A1, selten sind Mutationen im COL1A1 Gen verantwortlich.

 

Hypermobile EDS (hEDS) - frühere Bezeichnung Typ III, hypermobiler Typ

Hypermobile EDS kann bis jetzt NUR KLINISCH diagnostiziert werden, da bis dato noch keine molekulargenetische Ursache identifiziert werden konnte. Es ist daher wichtig, bei der Diagnose sehr genau vorzugehen und andere mögliche Bindegewebserkrankungen auszuschließen.

Die klinische Diagnose von hEDS erfordert das gleichzeitige Auftreten von Kriterium 1 und 2 und 3.

  1. Generalisierte Hypermobilität der Gelenke
  2. Zwei oder mehr der Merkmale A-C (siehe unten)
  3. Abwesenheit von ungewöhnlich fragiler Haut, welche für andere EDS Typen sprechen könnte. Ausschluss anderer vererbbarer Bindegewebserkrankungen. Ausschluss anderer Erkrankungen, die mit Hypermobilität der Gelenke einhergehen.

A: Systemische Manifestationen einer generalisierten Bindegewebserkrankung.  Hierzu müssen mindestens 5 von 12 angeführten Merkmalen zutreffen.

B: Positive familiäre Vorgeschichte mit einem oder mehr betroffenen Verwandten ersten Grades.

C: Musculoskeletale Komplikationen. Hierzu muss mindestens eines von drei angeführten Merkmalen zutreffen.

 

Arthrochalasia EDS (aEDS) - frühere Bezeichnung Typ VIIA, Typ VIIB, arthrochalasie Typ

Die Hauptkriterien des aEDS sind:

  1. Congenitale bilaterale Hüftdysplasie
  2. Hochgradige Hypermobilität der Gelenke mit multiplen Dislokatione/Subluxationen
  3. Hyperextensibilität der Haut

Zusätzlich gibt es 5 Nebenkriterien. Für eine klinische Diagnose muss das 1. Hauptkriterium und entweder das 3. Hauptkriterium oder das 2. Hauptkriterium mit zumindest zwei Nebenkriterien erfüllt sein.

Arthrochalasia EDS wird autosomal dominant vererbt. Die betroffenen Gene sind entweder COL1A1 oder COL1A2.

 

Dermatosparaxis EDS (dEDS)

Für das dEDS gibt es 9 Hauptkriterien und 11 Nebenkriterien. Für eine klinische Diagnose müssen zwei der Hauptkriterien (extreme Fragilität der Haut und charakteristische craniofaciale Merkmale) und entweder ein anderes Hauptkriterium oder drei Nebenkriterien erfüllt sein.

Dermatosparaxis EDS wird autosomal rezessiv vererbt. Das verantwortliche Gen ist ADAMTS2.

 

Kyphoscoliotic EDS (dEDS) - frühere Bezeichnung Typ VI, Typ VIA, Typ VIB, okulär-skoliotischer Typ, kyphoskoliotischer Typ

Die Hauptkriterien des dEDS sind:

  1. Congenitale Muskelhypotonie
  2. Congenitale oder früh auftretende Kyphoscoliose (progressiv oder nicht-progressiv)
  3. Generalisierte Hypermobilität der Gelenke mit Dislokationen/Subluxationen (Schultern, Hüften und Knie)

Zusätzlich gibt es 10 Nebenkriterien, sowie Gen spezifische Nebenkriterien (4 für PLOD1 und 4 für FKBP14). Für eine klinische Diagnose müssen das erste und das zweite Hauptkriterium und entweder das dritte Hauptkriterium oder drei Nebenkriterien (entweder Gen spezifisch oder allgemein) erfüllt sein.

Kyphoscoliotic EDS wird autosomal rezessiv vererbt. Die verantwortlichen Gene sind PLOD1 und FKBP14.

 

Brittle Cornea Syndrome (BCS)

Die Hauptkriterien für BCS sind:

  1. Dünne Cornea, mit oder ohne Ruptur
  2. Früh beginnender progressiver Keratoconus
  3. Früh beginnender progressiver Keratoglubus
  4. Blaue Scleren

Zusätzlich gibt es 14 Nebenkriterien. Für eine klinische Diagnose müssen das erste Hauptkriterium und entweder zumindest ein anderes Hauptkriterium oder drei Nebenkriterien erfüllt sein.

Das Brittle Cornea Syndrome wird autosomal rezessiv vererbt. Die verantwortlichen Gene sind ZNF469 und PRDM5.

 

Spondylodysplastic EDS (spEDS)

Die Hauptkriterien für spEDS sind:

  1. Kleine Statur
  2. Muskelhypotonie (von hochgradig congenital bis zu leicht und spät beginnend
  3. Kniefehlstellungen

Zusätzlich gibt es 5 allgemeine Nebenkriterien und Gen spezifische Kriterien für B4GALT7, B3GALT6 und SLC39A13. Fpr eine klinische Diagnose müssen die ersten beiden Hauptkriterien, charakteristische röntgenologische Auffälligkeiten und zumindest drei Nebenkriterien (Gen spezifisch oder allgemein) erfüllt sein.

Spondylodysplastic EDS wird autosomal rezessiv vererbt. Die verantwortlichen Gene sind B4GALT7, B3GALT6 und SLC39A13.

 

Musculocontractural EDS (mcEDS)

Die Hauptkriterien für mcEDS sind:

  1. Multiple congenitale Kontrakturen, charakteristisch Adduktion/Flexion und oder Klumpfuß
  2. Charakteristische craniofaciale Merkmale, welche schon bei der Geburt oder in der frühen Kindheit präsent sind
  3. Charakteristische cutane Merkmale wie Hyperelastizität der Haut, Hämatomneigung, fragile Haut mit atrophischen Narben, erhöhte Faltenbildung an den Fußsohlen

Zusätzlich gibt es 15 Nebenkriterien. Für eine klinische Diagnose müssen in der frühen Kindheit das erste und das zweite Hauptkriterium und in der Pupertät oder bei Erwachsenen das erste und das dritte Hauptkriterium erfüllt sein.

Musculocontractural EDS wird autosomal rezessiv vererbt. Die verantwortlichen Gene sind CHST14 und DSE.

 

Myopathic EDS (mEDS)

Die Hauptkriterien für mEDS sind:

  1. Congenitale Muskelhypotonie und/oder Muskelatrophie, die im Alter zunimmt
  2. Proximale Gelenkkontrakturen (Knee, Hüfte und Ellbogen)
  3. Hypermobilität der distalen Gelenke

Zusätzlich gibt es 4 Nebenkriterien. Für eine klinische Diagnose muss das erste Hauptkriterium und entweder ein weiteres Hauptkriterium oder drei Nebenkriterien erfüllt sein.

Myopathic EDS wird autosomal dominant oder autosomal rezessiv vererbt. Das verantwortliche Gen ist COL12A1.

 

Periodontal EDS (pEDS)

Die Hauptkriterien für pEDS sind:

  1. Hochgradige und hartnäckige, früh beginnende (Kindheit oder Pubertät) Periodontitis
  2. Zahnfleischrückgang
  3. Prätibiale Plaques
  4. Ein direkter Verwandter der die klinischen Kriterien aufweist

Zusätzlich gibt es 8 Nebenkriterien. Für eine klinische Diagnose müssen entweder das erste oder das zweite Hauptkriterium und zumindest zwei weitere Hauptkriterien und ein Nebenkriterium erfüllt sein.

Periodontal EDS wird autosomal rezessiv vererbt. Die verantwortlichen Gene sind C1R und C1S.

 

 

 

Quelle:

Malfait F, Francomano C, Byers P, Belmont J, Berglund B, Black J, Bloom L, Bowen JM, Brady AF, Burrows NP, Castori M, Cohen H, Colombi M, Demirdas S, De Backer J, De Paepe A, Fournel-Gigleux S, Frank M, Ghali N, Giunta C, Grahame R, Hakim A, Jeunemaitre X, Johnson D, Juul-Kristensen B, Kapferer-Seebacher I, Kazkaz H, Kosho T, Lavallee ME, Levy H, Mendoza-Londono R, Pepin M, Pope FM, Reinstein E, Robert L, Rohrbach M, Sanders L, Sobey GJ, Van Damme T, Vandersteen A, van Mourik C, Voermans N, Wheeldon N, Zschocke J, Tinkle B. 2017. The 2017 international classification of the Ehlers–Danlos syndromes. Am J Med Genet Part C Semin Med Genet 175C:8–26.